Ausblick 2026
Ich habe gelernt: Wer die Vergangenheit versteht, kann die Zukunft besser einschätzen. Deshalb finde ich auch den systematischen Jahresrückblick immer sehr wichtig (siehe dazu den Blogbeitrag vom Dezember 2025). Der liefert dann eine faktenbasierte Grundlage für den Ausblick auf das neue Börsenjahr.
2025 wird als das Jahr der Marktschwankungen und Unsicherheiten in Erinnerung bleiben. Wobei der dominante Markttreiber die Politik Trumps war. Davon wird man auch 2026 ausgehen müssen. Der Jahresauftakt gab schon einen Vorgeschmack. Es gab eine US-Militärintervention in Venezuela, der US-Präsident bekräftigte seine Gebietsansprüche auf Grönland, drohte dem Iran offen mit einem militärischen Eingreifen und nahm einmal mehr Fed-Chef Jerome Powell ins Visier. Und die Börse reagierte mit neuen Rekorden. Wer konnte das alles vor einem Jahr vorhersehen? Ich nicht!
Trotz allem konnte man 2025 dank KI-Boom und Zinssenkungen wieder sensationelle Gewinne an den Aktienmärkten erzielen. Die mutig Investierten wurden mit einem weiteren Rekordjahr in Serie belohnt … und der Start ins neue Jahr schlug bereits in dieselbe Kerbe. Der Start ins neue Jahr war in den ersten Handelswochen auf jeden Fall fulminant. Das Momentum war erstaunlich. Geopolitische Risiken wurden vom Markt wie schon im vergangenen Jahr weitgehend ausgeblendet. Es ist kein Geheimnis, dass ich die Entwicklung seit einiger Zeit skeptisch beobachte, solange aber Megatrends wie KI und Edelmetalle weiter die Märkte stimulieren, spricht wie bereits mehrfach gesagt nichts dagegen, weiter vom starken Momentum der Märkte zu profitieren. 2026 könnten also wieder außergewöhnliche Renditen möglich sein, aber das wird nach meiner Einschätzung wie auch schon 2025 kein Selbstläufer sein! Es wird noch stärker als im zurückliegenden Jahr von der richtigen Selektion innerhalb bestimmter Assetklassen abhängig sein. Wie so ein selektiveres Vorgehen konkret aussehen könnte, davon handelt dieser Blogbeitrag.
Wo Licht ist, ist auch Schatten
Europäische und US-Staatsanleihen konnten von der Entwicklung nicht profitieren und verloren sogar. Schuld daran waren u.a. steigende Staatsschulden verbunden mit Vertrauensverlust und ein schwächelnder US-Dollar.
Ebenfalls bemerkenswert waren die neuerlich hohen Abflüsse, die gemanagte Fonds verzeichneten, während passive und deshalb kostengünstige ETFs immer beliebter werden. Noch nie floss mehr Geld in börsennotierte Indexfonds (ETFs) als im vergangenen Jahr. Wen wundert das in Zeiten von Steigerungen auf breiter Front? Viele der aktuell erfolgsverwöhnten Anleger*innen kennen Serienverlustjahre nur aus Erzählungen. In guten Börsenzeiten liefern ETFs auch gute Ergebnisse. Jedoch in Phasen, in denen es nicht darum geht, wer mit Glück und Risikobereitschaft die größten Gewinne erzielt, sind die im Vorteil, die mit der richtigen Strategie die geringsten Verluste machen, die Nerven bewahren, Marktverzerrungen emotionslos erkennen und mutig für die Zukunft zu nutzen vermögen. Solche Phasen zeigen die Grenzen von ETFs auf. Denn auch für ETFs gelten wichtige Grundsätze. Ich wage jedenfalls die Prognose, dass, wenn die Zeiten an den Börsen wieder rauer werden, dann wird spätestens wieder die Stunde von finanzieller Resilienz und langfristigem Portfoliomanagement schlagen. Niemand wird dann noch ernsthaft behaupten, das sei alles entbehrlich und nur teurer Luxus. Hochmut kommt vor dem Fall. Auch wenn jetzt vielleicht die Gier regiert, abgerechnet wird am Ende. Deshalb behaupte ich, dass dann auch mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gut gemanagte Fonds ein verdientes Comeback feiern. Das ist die wichtige Hygienefunktion einer Marktkonsolidierung, auch wenn es schmerzhaft ist, wenn man mittendrin steckt. Aber noch ist es nicht soweit. Der “Risik-On-Modus” ließ sich nicht einmal vom jüngsten US-Militärschlag gegen Venezuela erschüttern. Auch das ist ein Faktum, das wir anerkennen müssen.
Im Risik-On-Modus ins neue Jahr!
Auch wenn das starke Ergebnis des Jahres 2025 angesichts der vielen Belastungsfaktoren so nicht unbedingt zu erwarten war, nehmen wir es doch gerne mit, oder? Die Welt blickt zwar besorgt auf die vielen geopolitischen Krisenherde, die Aktienbörsen bleiben jedoch im „Risk-On-Modus“. Wir schließen daraus: „Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.“ Den Mutigen gehören die Gewinne und ich tanze weiter, solange die Musik spielt, aber ich tue das gut vorbereitet und halte die Augen offen. Was den Militärschlag in Venezuela betrifft, reicht noch die Aussicht auf niedrige Ölpreise und mögliche US-Investitionen in Infrastruktur und Tourismus, um alle Bedenken und Risiken vorerst in den Hintergrund zu drängen. Und Trump, der blickt derweil schon berauscht nach Grönland.
Davos 2026 - TACO („Trump always chickens out“)
Die ganze Welt schaut in die Schweizer Alpen. Trump reiste mit einem 300-Personen-Tross an. Doch selbst Trumps bizarrer Auftritt in Davos, sein Selbstlob, seine Angriffe gegen Europa, seine gefährlichen Zolldrohungen gegen Verbündete und seine Begehrlichkeiten auf Grönland dämpften die Risikofreude der Anleger*innen vorerst nur kurz. Es wurde zwar viel Porzellan zerschlagen, aber der große Knall blieb aus. Da er sich von der Anwendung militärischer Gewalt wieder distanzierte, gab es nur einen Tag später wieder eine Erholung und neue Rekorde. Wir werden sehen, wie lange das anhält.
Verlassen sollte man sich besser nicht darauf, dass Trump am Ende doch kneift. Bislang beeindruckt ihn nur die Sprache der Börse und er glaubt, ein Wort von ihm würde stets reichen, um sie zu beeinflussen. Ich fürchte, damit überschätzt er sich auf Dauer. Sein bizarres Verhalten gegenüber Verbündeten und seine gefährlichen Zolleskapaden scheinen kein Ende zu nehmen. Ein sehr riskantes Spiel, das jederzeit das Potenzial hat, außer Kontrolle zu geraten. Schöne neue Welt!
Der DAX legte 2025 dank fulminantem Start und anschließender Seitwärtsbewegung auf Jahressicht in Euro um gut 23 % zu (auf 3Y immerhin knapp 76 %) und auch die Jahresbilanz in den USA war abermals sehr positiv: Der Nasdaq-Index legte in USD gut 20 % (auf 3Y 131 %) und der Dow Jones um knapp 13 % (auf 3Y 45 %) zu, obwohl der Technologiesektor zum Jahresende aufgrund der hohen Bewertungen doch noch unter Druck geraten war. Dagegen wirkt der Anstieg des TECDAX mit 6 % in einem Jahr und 24 % in drei Jahren schon nahezu bescheiden.
Gold stellte mit +64 % und Silber sogar mit einem Plus von sogar 147 % im abgelaufenen Kalenderjahr alle anderen Assetklassen in den Schatten.
2026 startet chaotisch wie befürchtet mit neuen Rekorden und starken Schwankungen…
Die aktuellen Rahmenbedingungen sind eigentlich viel zu chaotisch für eine Prognose, ich wage sie trotzdem.
Mit Ausblicken ist es ja wegen der Unberechenbarkeit der Märkte und Akteure immer schwierig, weil sie deshalb nie verlässlich sein können. Ich besitze leider auch keine viel beschworene Glaskugel und natürlich bin ich auch nicht gegen systematische Verzerrungen immun.
Jede kognitive Verzerrung verschlechtert die Prognosequalität. Eine pessimistische Verzerrung ist dabei genauso schädlich wie eine optimistische. Denn in permanenter Angst ist es besonders schwer echte Gefahren wahrzunehmen! Auch wenn Prognosen immer schwierig sind, wage ich hier trotzdem eine Prognose, weil ein großes Bedürfnis nach Orientierung besteht.
Die gute Botschaft gleich vorweg: Die Chancen auf neue Rekorde stehen auch 2026 gar nicht so schlecht, aber wir dürfen uns nichts vormachen, es ist absolut unwahrscheinlich, jedes Jahr zweistellige Renditen zu erzielen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass sich die durchschnittliche Rendite über kurz oder lang wieder dem langjährigen Durchschnitt annähern wird - und dieser ist nicht zweistellig! Wir können versuchen, durch geschicktes Portfoliomanagement eine langfristige Outperformance zu erzielen. Aber es muss klar sein, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Zum Erreichen der Anlageziele ist das jedoch auch nicht nötig! Nach meiner Überzeugung wird 2026 der Anlageerfolg noch stärker als im zurückliegenden Jahr von der richtigen Mischung der Assetklassen abhängig sein, und Diversifikation ist das Gebot der Stunde, denn eine Korrektur ist zu jeder Zeit möglich. Wie so ein selektiveres Vorgehen meiner Erfahrung nach aussehen könnte, sowie was aus welchen Gründen meine Favoriten sind, teile ich hier mit den Leser*innen des Blogs …
💭Immer eine Empfehlung: Auf Megatrends setzten
Viele Trends verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Nicht jedoch Megatrends. Gemeint ist dabei nicht nur KI! Gerade in turbulenten Zeiten bewährt es sich, auf die „Sonderkonjunktur“ von Megatrends zu setzen. Das stabilisiert und befeuert gleichzeitig die Portfoliorendite. Siehe dazu den finconaut-Blogbeitrag Megatrends erkennen und nutzen vom August 2024.
Megatrends entwickeln eine langfristige Dynamik, die ganze Branchen nachhaltig verändert. Um aber davon zu profitieren braucht eine nüchterne Betrachtung. Es hilft nichts später zu erkennen, welche Technologien und Unternehmen das Potenzial hatten, Märkte neu zu ordnen – und welche nur kurzfristige “Hypes* waren. Siehe dazu auch den finconaut-Blogbeitrag Die Anatomie von Hypes vom Februar 2025.
Die Kunst ist die Wahrscheinlichkeit zu optimieren, in jene Unternehmen zu selektieren, die sich als Taktgeber und Profiteure echter Megatrends herauskristallisieren. So wissen wir heute, dass, Amazon den Onlinehandel revolutionierte, Paypal und Visa vom Boom der unbaren Zahlung profitierten, Apple das Smartphone zur Massenanwendung machte, Tesla die Elektromobilität entscheidend vorantrieb und Nvidia sich zum dominanten Schlüsselanbieter für Rechenleistung und Künstliche Intelligenz entwickelte. Wer das früh erkannte und den Mut und auch die Geduld hatte zu investieren, konnte außergewöhnliche Kursgewinne erzielen.
Geht es 2026 so weiter?
Die Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls vielversprechend, denn der Innovationsdruck bleibt hoch und die enorme Nachfrage beflügelt die Top-Chipwerte. Man darf auch erwarten, dass Quantencomputing, die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz, Robotik, sowie autonomes Fahren und neue Flugkonzepte zukünftig die Wirtschaft und die Kapitalmärkte wesentlich prägen werden.
Ob es im Jahr 2026
nun im Falle des Megatrends „Biotechnologie/Pharma/Medizintechnik“ wieder um die Abnehmpille oder das Trendthema Longevity bzw.
im Falle von „Künstlicher Intelligenz“ um die nächste KI-Generation AGI (Artificial General Intelligence), KI-unterstützte Prognoseinstrumente, oder
einen Durchbruch bei Zukunftsthemen wie Quantencomputing oder bei sog. autonomen Systemen geben wird ist fast schon nebensächlich, wenn man den enormen KI-Energiehunger bedenkt.
Man könnte natürlich immer über die schwierigen Umstände klagen. Meine Botschaft ist, dass es überhaupt keinen Grund zur Klage gibt. Zu jeder Zeit, und auch gerade jetzt, gibt es so viele aussichtsreiche Investitionsmöglichkeiten und hervorragende Chancen, zumindest einen Volltreffer zu landen. Ich will im Rahmen dieses Blogs auf die vielen interessanten Zukunftsthemen hinweisen und zum eigenen Nachdenken anregen. Das ist ohnehin sehr viel. Ich bitte um Verständnis, dass auch ich an dieser Stelle leider unmöglich alle Fragen restlos beantworten kann. Das Motto unseres finconaut-Blogs lautet, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und so die Leser*innen fit in Sachen Finanzanlage und damit auch die Vorsorgebemühungen effizienter, resilienter und erfolgreicher zu machen.
💭Edelmetalle und Rohstoffe
Edelmetalle sind als klassisches Instrument zur Diversifikation und zum Risikomanagement anerkannt. Das vergangene Jahr brachte zusätzlich den Durchbruch als Performancetreiber. Immerhin waren Edelmetalle mit Gold und Silber die ertragreichsten Assetklassen 2025. Die Wahrscheinlichkeit steht gut, dass auch das Jahr 2026 ein weiteres Erfolgsjahr wird und das abgelaufene Jahr nur den Beginn eines Superzyklus markierte.
Ich selbst erwarte mir mit einer selektiven Auswahl an Minen- und Rohstoff-Aktien von der starken Nachfrage bzw. den Wertsteigerungen bei Rohstoffen, sowie Edel- und Industriemetallen, mit meinem eigenen Vorsorgeportfolio überproportional profitieren zu können.
Auf die Gründe, warum ich denke, dass Edelmetalle in jedes ordentlich diversifizierte Portfolio gehören, habe ich bereits ausführlich im Dezember-Blog 2025 dargelegt. Bei Interesse kann man diese im Blog Rückschau 2025 und Ausblick 2026 in aller Ausführlichkeit gezielt nachlesen.
💭 Schwellenländer
Die Wahrscheinlichkeiten sprechen im kommenden Jahr auch für eine Beimischung von Schwellenländern - allen voran Indien.
Folgende Argumente sprechen meiner Meinung nach für gute Chancen und somit für eine strategische Beimischung bzw. den strategischen Aufbau eines höheren Portfolioanteils im Jahr 2026: Der schwächelnde US-Dollar sollte helfen. Das qualifiziert ein Investment als Absicherungsinatrument für US-Dollar-Investments eines Euro-Investors. Viele Unternehmen sind noch günstig bewertet, zudem haben Schwellenländer einige strukturelle Vorteile. So sind sie meist wachstumsstark und bevölkerungsreich. Doch ein selektives Vorgehen ist wichtig! Ich persönlich setze auf Indien, weil es gut aufgestellt ist und in der Zukunft insgesamt an Bedeutung gewinnen wird. Seine Bevölkerung ist jung, gut ausgebildet und sorgt für eine stabile Binnennachfrage. Indien sollte vom Trend zur Diversifikation der Lieferketten besonders profitieren und ausländische Investoren anlocken.
💭Defence Tech
Ob man nun in das Thema investieren will oder aus moralischen Gründen darauf verzichtet möchte, ich kann beides nachvollziehen. Es wird hier nach meiner Einschätzung rund um die Herstellung der Verteidigungsfähigkeit Europas und zur überfälligen Emanzipation von den USA ein starker Trend und viele Chancen entstehen.