Rückschau 2025 und Ausblick 2026

Nach einem ereignisreichen Jahr ist der letzte Blogbeitrag wieder einem Rückblick auf das zu Ende gehende Börsenjahr 2025 und der Identifizierung der Kurs-Treiber des Jahres gewidmet. Die Erkenntnisse bilden dann die Grundlage für den Ausblick und mögliche Portfolio-Anpassungen als Vorbereitung auf das neue Börsenjahr 2026. Die vielen Krisenherde überfordern uns. Wie auch schon im vergangenen Jahr fühlst du dich vermutlich auf aktuellem Rekordniveau in Verbindung mit einer Vielzahl von Unsicherheiten wieder hin- und hergerissen zwischen der Angst vor einer Krise und der Angst, etwas zu verpassen (FOMO). 

Das waren wichtige ökonomische Themen des Jahres 2025:

  • Die staatliche Verschuldung hat sich weiter vergrößert. Nicht nur die bekannten Schuldenkaiser, auch Deutschland hat im Herbst die Schuldenbremse aufgegeben. Die Folge war eine „Staatsanleihenkrise“ und schwindendes Vertrauen. Das wird wohl auch im kommenden Jahr der Trend bleiben. Auch wenn man es angesichts der starken Aktienkursentwicklung 2025 kaum glauben kann, waren da auch noch der

  • Ukraine-Konflikt und zahlreiche geopolitische Brandherde wie der Gaza-Konflikt oder der Konflikt zwischen Indien und Pakistan. 

  • Die Zweifel an der europäischen Verteidigungsfähigkeit

  • die US-Zoll-Kapriolen, 

  • der Handelskonflikt USA-China

  • Rezessionsängste

  • der längste US-Shutdown aller Zeiten, 

  • Deglobalisierung

  • das ewige EU-Bürokratiemonster und nicht zu vergessen, 

  • der  Kampf gegen den Klimawandel.

 

… also genug Risiken, um sich Sorgen zu machen und auf alles gefasst zu sein, auch wenn alle Kursrückschläge bisher innerhalb kürzester Zeit wieder aufgeholt wurden. Die Stimmung kann natürlich überraschend drehen. Aber wenn ich in den letzten 35 Jahren etwas gelernt habe, dann ist es, dass fehlender Mut und Pessimismus auch teuer sein können. Es wäre gerade 2025 sehr teuer gewesen, nicht investiert zu sein. Versuchen wir uns also lieber der Frage zu stellen, was die Märkte treibt und wie man sich in diesem schwierigen Umfeld für 2026 positionieren könnte…

 

Das waren wichtige Kurstreiber aus 2025, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch 2026 für die Kursentwicklung bestimmend sein werden:

  • Inflation

Frag dich selbst: Wenn du hohe Schulden und eine Notenpresse hast, würdest du dann niedrige Inflationsraten wollen? Die Versuchung, sich schleichend zu entschulden ist groß - also durch stille Enteignung der Besitzer von Spareinlagen, indem man die Nominalzinsen unter der Inflationsrate hält (negative Realzinsen). Eine angemessene Aktienquote kann vor dieser Entwicklung schützen. Bleibt die schwierige Frage: Wenn Aktien, dann welche? …

Europa: Der EZB-Rat warnt vor zu stark fallender Inflation! Mitte November war zu lesen, dass EZB-Ratsmitglied Olli Rehn Sorge über eine mögliche zu starke Abschwächung der Inflation äußert. Gleichzeitig sieht er Risiken an den Aktienmärkten und betont die Bedeutung robuster Kapitalpuffer.

USA: Der Zollstreit könnte die Inflation noch weiter treiben, wenn erst alle Lagerbestände aufgebraucht sind.

 

  • Zinsen

Zögerliche Zinssenkungen  in den USA und noch später in Europa. Vermutlich braucht es erst noch einen größeren Knall.

USA: Fed-Chef Jerome Powell erklärt, dass Zinserhöhungen kein Basisszenario sein können. Die Zinsen bleiben entweder auf dem aktuellen Niveau oder werden leicht bis stark gesenkt. 

Europa: Zinssenkungen verzögern sich weiterhin …

 

  • Volatilität:

Was auch immer in diesem Jahr noch passieren mag, 2025 wird als eines der volatilsten Jahre in Erinnerung bleiben. 

Die vielen Krisenherden und Unsicherheiten verunsichern und überfordern sowohl professionelle als auch private Anleger*innen. Der CNN Fear and Greed-Index schwankt über weite Strecken des Jahres zwischen Angst und Extreme Angst. Die vielen Unsicherheiten sowie ein daraus resultierender Aktionismus erklären möglicherweise das emotionale Handeln und die nervöse Stimmung. Das sorgt für hohe Marktschwankungen.  Dazu werden Rückschläge bisher immer wieder umgehend aufgeholt. Wann die nervöse Stimmung in eine Konsolidierungsphase umschlägt, erscheint mir nur eine Frage der Zeit. Allerdings sage ich das auch schon seit bald einem Jahr…

 

  • Trend: Edelmetalle

Das Jahr 2025 war schon ein Rekordjahr für Gold und Silber, das Jahr 2026 könnte sogar noch besser werden.

Gold ist es, gemessen an der Gold-Bitcoin-Ratio, im vergangenen Jahr gelungen, seine Rolle als Wertspeicher wieder zu stärken. Die Ratio war bereits auf unter 0,03 gesunken und beträgt nun immerhin wieder über 0,05 Bitcoins pro Unze Gold.

 

  • Trend: Künstliche Intelligenz:

Seit dem KI-Boom gewinnt die Energieversorgung mehr und mehr an Bedeutung. Es gibt eine gute Wahrscheinlichkeit, dass sich daraus spätestens im nächsten Jahr ein nachhaltiger Trend entwickelt. Anscheinend entscheiden in der aktuellen Energierevolution weder die Fruchtbarkeit und Fläche des Bodens über den Wohlstand eines Landes, noch die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften, sondern die Verfügbarkeit von Strom!  Dieser Trend wird neue Gewinner hervorbringen.

  • Trend: Emerging Markets

Viel spricht für eine Outperformance der EM in den kommenden Jahren. Allen voran Indien könnte sich als Portfoliobeimischung lohnen. Ein schwächelnder USD und vor allem die demographischen Entwicklungen und ihre Wachstumsstärke sollten die Performance der Emerging Markets (allen voran Indiens) strukturell unterstützen.

 

  • Trend: Defense-Tech

Aus der Notwendigkeit der Herstellung der Verteilungsfähigkeit Europas und Emanzipation von den USA entsteht allem Anschein nach ein anhaltend starker Trend.

 

  • Trend: Quanten-Computing 

Alle Informationen deuten darauf hin, dass Quantencomputing „the next big thing“ werden könnte. Mein Ziel wird es sein, als „Early Bird“ von Beginn an dabei zu sein.

 

  • Favoritenwechsel

Es war zu meiner Überraschung erneut ein durchwachsenes Jahr für Small und Mid Caps. Ich bleibe jedoch dabei: Die besseren Gewinnwahrscheinlichkeiten liegen meiner Überzeugung im kommenden Jahr 2026 nicht mehr bei den Magnificent 7, sondern bei Small und Mid Caps. Die Begründung ist dieselbe wie im Ausblick 2025 vor einem Jahr („https://www.finconaut.com/blog-1/ausblick).

 

Die Vielzahl möglicher Szenarien macht die Wahl und Gewichtung der Assetklassen im Vorsorge-Portfolio schwierig. Niemand kann die Zukunft vorhersehen. Ich kann nur nochmals betonen, dass auch ich nur in Wahrscheinlichkeiten denken kann und Irren ist absolut menschlich und ist auch überhaupt kein Problem. Entscheidend ist es, in Alternativen zu denken und vorbereitet zu sein. Auf die Fehlerkultur kommt es also an. Stichwort: „Fail fast and small“.

 

In diesem Sinne sind auch die folgenden Annahmen betreffend der weiteren Performance der Assetklassen Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Rohstoffe, zu lesen:

 

Edelmetalle gehören nach meiner Einschätzung weiterhin in ein diversifiziertes Portfolio. 

Edelmetalle sind ein klassisches Instrument zur Risikodiversifizierung und neuerdings auch ein Performancetreiber. Gold verzeichnete 2025 einen Anstieg um 70 % und Silber sogar von 140 %. Viele Experten sehen Gold bald bei 5.000 USD und Silber jenseits von 70 USD. Ich teile diese Überzeugung. Ich glaube, wir stehen erst am Beginn eines Superzyklus. Bei Silber kommt der überwiegende Teil der Nachfrage übrigens aus der Industrie, und die Nachfrage wächst nicht nur wegen KI und Solarenergie. Manche Analysten (Citi, Saxo) sehen Silber daher sogar bei 100 USD, da die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt. Die Differenz muss aus den Beständen gedeckt werden. Die USA hat Silber deshalb auf die Liste kritischer Mineralien gesetzt.  Zudem schwächelt der USD, der FED-Vorsitz wird 2026 neu besetzt und Trump tut sein Übriges. Ich glaube daher fest an die Fortsetzung der Performance von Gold und Silber, auch wenn eine Erwartung von 100 USD für 1 Unze Silber vielleicht etwas überzogen sein mag. Es braucht immer Mut, zu Rekordniveaus einzusteigen, aber es zählt nicht die Vergangenheit, sondern alleine die Erwartungen für die Zukunft… Das Motto lautet somit: Besser teuer kaufen und noch teurer verkaufen als billig kaufen und noch billiger verkaufen. Das sind wohl gute Gründe, den geplanten Portfolioanteil der Assetklasse Edelmetalle baw nach oben auszureizen.

 

Aktien, aber welche? 

Ich gebe grundsätzlich keine Aktienempfehlungen. Aber ich teile meine sehr konkreten Einschätzungen über die Chancen von bestimmten Assetklassen und auch Branchen. Das schränkt die Möglichkeiten bei der Veranlagung schon hinreichend ein. 

  • Für Aktien spricht immer noch die robuste Ergebnisentwicklung, staatliche Impulse und das starke Momentum. Es spricht also derzeit nichts dagegen, auf der Party zu tanzen, solange die Musik spielt. Man sollte es aber nur gut vorbereitet tun.

  • Ich persönlich setze 2026 auf Emerging Markets. Konkret werde ich Indien höhergewichten. Es gibt gute Argumente für eine Portfoliobeimischung, sowohl aus Diversifikations-Sicht als auch aus Performance-Sicht.

  • Nach meiner Einschätzung bleibt es dabei: Die besseren Gewinnwahrscheinlichkeiten liegen meiner Überzeugung im kommenden Jahr 2026 nicht mehr bei den Magnificent 7, sondern bei Small und Mid Caps. Das wäre eine durchaus gesunde Entwicklung.

  • Nie falsch liegt man nach meiner Überzeugung, wenn man auf die Sonderkonjunktur durch Megatrends setzt. Wie man Megatrends erkennt und auf sie setzt, ist im Blog vom August 2024 Megatrends erkennen und nutzen nachzulesen. 

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