Der Irankrieg
Am Beginn der vierten Woche des Iran-Krieges herrscht geopolitisches Chaos und der Druck auf Trump den Krieg zu einem Ende zu bringen ist bereits enorm.
In diesem Blogbeitrag werde ich folgende Fragen erörtern und auf diesem Weg gleichzeitig meine Annahmen offenlegen und erklären:
1️⃣Wie stellt sich die aktuelle Lage im Nahen Osten für mich als Anleger dar?
2️⃣Wieso sind die „Krisenwährungen“ Gold und Silber derart unter Druck?
3️⃣„It’s the oil price, stupid!“
4️⃣Kann ein Regimewechsel nach über 45 Jahren Schreckensherrschaft überhaupt noch gelingen?
5️⃣Warum ausgerechnet jetzt dieser Krieg?
6️⃣Wie mit den Unsicherheiten umzugehen?
7️⃣Was kann noch passieren? (Ausblick: Schlimmer geht immer)
8️⃣Mein Fazit
In unsicheren Zeiten wie jetzt zeigt sich, wie wichtig es ist vorauszudenken und eine Strategie zu haben, um den Kursen nicht ständig nachzulaufen und von der nächsten spekulativen Phase frühzeitig profitieren zu können.
Die gute Nachricht ist, auch Blasen und Krisen folgen einem Muster, das man sich zunutze machen kann. Das Glück begünstigt den vorbereiteten Geist. Nur wer für alle Phasen eine Strategie vorgedacht hat, kann in Krisensituationen ruhig und besonnen agieren und die vielbeschworene Nasenlänge voraus sein.
1️⃣ Wie stellt sich die aktuelle Lage im Nahen Osten für mich als Anleger dar?
Nach den schnellen Anfangserfolgen werden jetzt die negativen Folgen des Krieges immer spürbarer (Verwerfungen am Ölmarkt, Zahl der Opfer und Vertriebene, Regimewechsel, ungewollte Profiteure wie Putin, Indien, China und klare Verlierer wie die Ukraine…).
Der Iran treibt den Preis des Krieges hoch und bringt damit Trump zunehmend in Bedrängnis. Je länger der Widerstand dauert, desto schwieriger wird es für Trump. Die USA räumen ein, die Reaktion der Märkte sowie die Fähigkeit des Iran zur Blockade der Straße von Hormus unterschätzt zu haben. Langsam stellt man sich die Frage, was das wahrscheinlichere Szenario ist: Trump beendet den Krieg oder der Krieg beendet die Trump-Präsidentschaft. Denn Trump hat einen Konflikt angezettelt, dessen Kontrolle ihm zunehmend entgleitet.
Es herrscht geopolitisches Chaos. Die Eskalation im Iran-Konflikt belastet die Börsen und spaltet die Gesellschaften. Es läuft nicht gut für die USA. Der Iran wehrt sich, wie sich eben ein Regime wehrt, das mit dem Rücken zur Wand steht und nichts mehr zu verlieren hat. Der eitle Trump möchte um jeden Preis in die Geschichte eingehen. Wenn nicht mit dem Friedensnobelpreis, dann eben mit der Klärung der Iranfrage. Weder der Kongress noch die kriegsmüde amerikanische Bevölkerung waren auf diesen „war of Trump’s choice“ adäquat vorbereitet. Sie verstehen deshalb auch nicht, was ausgerechnet jetzt einen Angriffskrieg entgegen allen Wahlkampf-Versprechungen rechtfertigen sollte. Das ist sehr gefährlich für Trump, denn auch seine Wähler sind anscheinend mehrheitlich gegen diesen Krieg. Trump wirkt zudem erschreckend planlos. Es rächt sich das Fehlen einer Exitstrategie. Umso länger der Krieg dauert, desto größer wird sein Risiko. Er ist quasi zu einem schnellen Sieg verurteilt. Einmal hören wir, der Krieg sei bereits gewonnen - ein andermal, die NATO-Verbündeten müssen jetzt Verantwortung übernehmen und die USA unterstützen. Auch über die Kriegsdauer gibt es keine verlässlichen Infos. Von wenigen Tagen, vier bis fünf Wochen und solange der US-Präsident das möchte, bis solange es eben dauert, war alles dabei. Es mehren sich kritische Fragen zu den widersprüchlichen Aussagen und den horrenden Kriegskosten. Trump hat der amerikanischen Bevölkerung das Gegenteil von dem versprochen, was er jetzt tut.
Das wertvollste geopolitische Faustpfand des Iran ist die Schließung der Straße von Hormus. Er scheint überrascht, dass schon eine glaubhafte verbale Schließung dieser wichtigen Schlagader für die Wirtschaft und ein möglicher Einsatz von Minen ausreichen, um für ernste Probleme zu sorgen. Das ist ein deutliches Zeugnis dafür, dass die Taktik des Mullah-Regimes, den Druck und die Kosten für Trump dadurch hochzutreiben, zunehmend ihre Wirkung zeigt.
2️⃣ Wieso sind die „Krisenwährungen“ Gold und Silber derart unter Druck
Autsch! Der Rückschlag war heftig. Wir sahen den stärksten Wochenrückgang an den Börsen seit den 80er Jahren! Was ist die Ursache und war es das jetzt? Das waren alles kritische Fragen, die mich in den vergangenen Wochen sehr beschäftigt haben. Eine belastbare Prognose ist aktuell noch unmöglich, denn in den 80ern hatten die USA eine wesentlich niedrigere Verschuldung und die Weltwirtschaft war weniger sensibel auf die Schließung der Straße von Hormus als heute. Die Situation im Nahen Osten spitzt sich weiter zu. Daher steigen auch die Ölpreise. Nach einem Ultimatum von US-Präsident Trump hat Teheran angekündigt, die Straße von Hormus komplett zu blockieren, sollte es zu Angriffen auf iranische Kraftwerke kommen.
Gold und Silber stehen weiter enorm unter Druck. Vom Hoch Ende Januar haben sich beide Edelmetalle deutlich entfernt.
Silber hatte zweifellos eine spekulative Fahnenstange gebildet. Zieht die Karavane der Spekulanten jetzt einfach aufgrund der Verwerfungen durch den Krieg weiter? Reicht das wirklich als Erklärung? Ich habe ernste Zweifel, dass das die Preisbewegung alleine erklären kann!
Bei Gold wirken ohne Zweifel insbesondere die hohen Energiepreise und die damit verbundenen Zinssorgen als Hauptbelastungsfaktoren. Aber rechtfertigt das einen Preiseinbruch in diesem historischen Ausmaß? Genügt das tatsächlich alleine als Erklärung für den Rückgang der jüngsten Vergangenheit?
Die Edelmetallpreise reagierten gegen meine Logik und Einschätzung. Das hat mich sehr beschäftigt und ich habe viel zum Thema recherchiert, um den Fehler in meiner Wirkungskette zu finden und ihm dann auf den Grund zu gehen. Die Grenzen meines Erfahrungswissens motivierten mich zu weiterer Ursachenforschung.
Meine Schlussfolgerungen:
Ich vergleiche mögliche staatliche Markteingriffe gerne mit dem Unterwasserdrücken eines Balls. Es ist schwierig und kräftezehrend. Niemand hält das lange durch. Und sobald der Druck weg ist, bahnt sich der Ball dann ohnehin sehr schnell seinen Weg an die Oberfläche.
Vielleicht ist es auch die Kombination aus Stimmung, Ölschock, Flucht in den USD und Zinssorgen, die gerade zu einer Überreizung führt.
Mein Basisszenario ist folgendes: Es mag durchaus noch die eine oder andere staatliche Short-Attacke auf die Edelmetallpreise geben. Ein genaues Timing ist ohnehin nicht möglich und wäre reines Glück. Ich bin aber der Überzeugung, dass es noch im Jahr 2026 eine kräftige Gegenbewegung der Preise geben wird. Ich persönlich bleibe daher investiert, beobachte die Situation weiterhin aufmerksam und plane eher selektiv aufzustocken.
3️⃣ „It’s the oilprice, stupid!
Das ist eine Anlehnung an den legendären Wahlkampf-Slogan „It’s the economy, stupid“, der von Bill Clintons Wahlkampf-Strategen in den Neunzigerjahren erdacht wurde.
Wenn es tatsächlich die Überlegung Trumps (bzw. seiner Einflüsterer) gewesen sein sollte, sich mit seinem Angriff auf Venezuela den Zugriff auf die weltweit größten Ölreserven zu sichern, um kurz danach mal schnell den Ölpreis durch den Militärschlag gegen den Iran in die Höhe zu treiben, sowie durch den Nahostkonflikt eine Flucht in den US-Dollar zu bewirken um schließlich die Gold- und Silberpreise künstlich zu drücken, dann dürfte der Machtrausch der USA wohl aus dem Ruder gelaufen sein.
Der US-Militärschlag ist jedenfalls weltweit das alles dominierende Thema an den Börsen. Besonders in den Fokus gerückt ist der extreme Anstieg des Ölpreises und die mögliche Schließung und Verminung der Straße von Hormus. Die Preissteigerungen sind bereits an den Tankstellen in den USA spürbar. Es besteht das Risiko, dass die Konsumentenstimmung in den USA angesichts des Irankriegs und der weiterhin hohen Zinsen kippen könnte. Das Verbrauchervertrauen gilt als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung des privaten Konsums in den USA (der dort beachtliche zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmacht). Entsprechend sensibel reagieren die Märkte auf jede Veränderung.
Kurzfristig ist also die entscheidende Frage, wie lange der Iran militärisch und wirtschaftlich in der Lage sein wird, die Straße von Hormus zu blockieren. Aktuell soll der Iran sogar versuchen, die Meerenge zu verminen. Der Ölmarkt ist und bleibt jedenfalls ein heißes Eisen.
Langfristig ist es meiner Einschätzung nach entscheidend, ob ein Regimewechsel doch noch gelingt. Das wäre natürlich ein strategischer Gewinn für USA und Europa. Wenn nicht, wäre das hingegen ein wichtiger strategischer Erfolg für Russland und China. Das Mullah-Regime würde gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen. Beide Szenarien sind aktuell noch möglich und denkbar.
4️⃣ Kann der Regimewechsel nach über 45 Jahren Schreckensherrschaft überhaupt noch gelingen?
Trump möchte im Irankonflikt (wie eigentlich immer) als Sieger hervorgehen - ohne Rücksicht auf die iranische Bevölkerung oder Verbündete. Sollte der Regimewechsel doch nicht gelingen, baut Trump schon vor und hat den Schuldigen auch schon identifiziert…
Trump sagt, das Kriegsziel der USA sei die nachhaltige Vernichtung des Atomwaffenprogramms und nicht ein Regimewechsel.
Erst erfolgt die Bombardierung von außen, dann der Regimewechsel von innen, lautet seine Botschaft. Wenn der Regimewechsel also nicht gelingt, ist das iranische Volk selbst schuld … wenn es das historische „window of opportunity“ nicht beherzt nutzt!
5️⃣ Warum ausgerechnet jetzt dieser Krieg?
Laut Trump war Israel die treibende Kraft hinter dem Krieg. Er behauptet, er habe nur (auf Israel) reagiert, um größeren Schaden von den USA abzuwenden.
Was auch immer der Hintergrund ist, Trump hat es verabsäumt, sowohl seine Verbündeten als auch den Kongress ins Boot zu holen. Das rächt sich jetzt.
Man kann über das Timing des Kriegsbeginns denken, wie man will, eines ist sicher:
Der Fokus der Öffentlichkeit und der Presse hat sich zweifelsfrei komplett verschoben - weg von der Epstein-Affäre und der Ukraine hin zum Irankrieg! So sehr Trump die Ablenkung (noch?) genießen mag, auch die Epstein-Affäre spaltet dies und jenseits des Atlantik die Gesellschaft, und es gibt auch Kritiker in den eigenen Reihen …
Sollte das wirklich das Kalkül gewesen sein, dann ist der Preis hoch - vielleicht zu hoch. Am Beginn der vierten Kriegs-Woche ist der Druck auf Trump, den Krieg zu einem Ende zu bringen, bereits enorm.
6️⃣ Wie mit den Unsicherheiten umgehen?
Wie schon eingangs gesagt, zeigt sich in unsicheren Zeiten wie jetzt, wie wichtig es ist, sich eine belastbare, faktenbasierte Meinung zu bilden und seine Schlüsse losgelöst vom Tagesgeschehen abzuleiten.
Nur das ermöglicht in Krisensituationen aktiv entscheiden zu können und den Trends sowie den Nachrichten nicht nur nachzulaufen.
Nur so kann man auch als Kleinanleger*in von der nächsten spekulativen Phase frühzeitig profitieren und ist nicht nur das machtloses Opfer der Situation zu sein.
Der nächste Boom kommt bestimmt, und ein Krieg wirkt oft als Megatrend-Verstärker. Nach meiner Einschätzung könnte es dieses Mal (trotz Trump) ein Comeback der erneuerbaren Energie sein. Meine Annahme: Ein Comeback erneuerbarer Energien hat eine gute Wahrscheinlichkeit und damit zusammenhängend auch entsprechend leistungsstarke Speichertechnologie (Batterien). Denn das ist jetzt nicht mehr nur ein Umweltschutzthema, sondern ist nun auch als wichtiges Schlüsselthema zur Versorgungssicherheit geworden und ist ins Bewusstsein gerückt.
Die Unsicherheit nimmt jedenfalls aktuell kein Ende. Es gibt nach dem Zollstreit mit dem Krieg im Nahen Osten und dem damit einhergehenden Ölpreisschock schon wieder die nächste Krisensituation zu meistern.
Blasen und Krisen kann man sich leider nicht entziehen. Sie gehören mittlerweile zum Tagesgeschäft. Wenn man einmal akzeptiert hat, dass man sich dem nicht entziehen kann, dann bleibt nur die Möglichkeit, solchen Situationen den Schrecken zu nehmen, indem man lernt, sie zu managen. Denn die gute Nachricht ist, dass auch Blasen und Krisen einem Muster folgen, das man sich zu Nutze machen kann. Man sagt: „Das Glück begünstigt immer den vorbereiteten Geist.“ Nur wer auch auf schwierige Phasen gedanklich vorbereitet ist und für den Fall der Fälle eine Strategie vorgedacht hat, wird die Chance haben, in Krisensituationen auch ruhig und besonnen zu agieren. Dann ist es möglich, aus der Herde auszubrechen und die vielbeschworene Nasenlänge voraus zu sein. Panik und hektischer Aktionismus helfen bestimmt nicht weiter.
Die Lage ist wieder einmal komplex und kann sich über Nacht ändern und mit ihr die Stimmung an den Märkten. So ist es immer, solange man mitten drin steckt. Im Nachhinein ist man dann natürlich immer gescheiter. Es macht daher Sinn, sich zu fokussieren und in Wahrscheinlichkeiten und Szenarien zu denken:
Der aufgrund des Kriegsverlaufs wahrscheinlicher gewordene Worst Case ist ein sehr langer Krieg und das Abrutschen in einen Bürgerkrieg, steigende Energiekosten und ein Wiederaufflammen der Inflation und als Folge steigende Zinsen mit allen negativen Konsequenzen für Konsum und Wirtschaft. Dann würde das wohl ein nachhaltiges Kippen der Marktstimmung zur Folge haben. So seltsam dies im Blickwinkel der aktuellen Situation vielleicht klingen mag, aber in schweren Kriesenzeiten zieht der große und liquide amerikanische Markt als sicherer Hafen das Kapital an. Das wäre auch diesmal ein wahrscheinliches Szenario. Ein steigender USD könnte dann auch einen weiteren Aufschwung am Goldmarkt und den Schwellenländern langfristig ausbremsen.
Der leider unwahrscheinliche Best Case wäre vermutlich, dass das iranische Regime erklärt: „OK, es ist vorbei“ und freiwillig und unblutig abtritt.
Die Hoffnung auf ein, wenn auch nicht freiwilliges, Einknicken des Widerstands des iranischen Terror-Regimes und ein baldiges Kriegsende lebt glücklicherweise noch. Sobald sich die Lage im Falle eines baldigen Kriegsendes beruhigt, gäbe es natürlich viel Aufwärtspotenzial. Wenn ein Regimewechsel doch noch gelänge, wäre es ein Gewinn für die USA und Europa. Wenn nicht, ist es hingegen ein wichtiger strategischer Gewinn für Russland und China. Beides ist noch möglich und wird langfristig für unsere Zukunft entscheidend sein. Es ist sinnvoll, sich jetzt darauf zu konzentrieren, in der täglichen Nachrichtenflut wertfrei aber gezielt nach Anzeichen zur Verifizierung oder Falsifizierung dieses Szenarios zu suchen.
7️⃣ Was kann noch passieren? (Ausblick: Schlimmer geht immer)
Die Frage ist stets, wann Trumps erratische Politik auf die wirtschaftliche Realität prallt und wie Trump dann reagiert. Er liebt ja die Rolle des unberechenbaren “Mad Man”. Die Marktteilnehmer hängen deshalb notgedrungen an seinen Lippen.
Zuletzt (und wie so oft am Beginn der Börsenwoche) versuchte Trump, mit der Verlängerung des US-Ultimatums um fünf Tage und der Behauptung eines möglichen Deals mit dem Iran, mit dem aus seiner Sicht auch das Problem der Straße von Hormus gelöst wäre, die Märkte zu beruhigen. Die Hoffnung auf Entspannung im Iran-Konflikt zeigte zumindest kurzfristig die gewünschte Wirkung an den Börsen und auf den Ölpreis. Doch wie nachhaltig das sein kann und ob er tatsächlich die globale Energiekrise abwenden kann, vermag ich nicht einzuschätzen. Die Büchse der Pandora ist geöffnet und sie wieder zu schließen scheint nicht mehr alleine in der Macht der USA zu liegen. Das zeigt die Grenzen der Machtpolitik und der Alleingänge Trumps auf. Selbst wenn dieser Krieg jetzt rasch beendet würde, wird er gravierende Spuren in der Weltwirtschaft hinterlassen. Der Schaden ist angerichtet und die Kosten für den Krieg sind für die USA bereits gigantisch und betragen bereits nach wenigen Wochen ein Vielfaches der von Trumps Anhängern viel kritisierten Ukraine-Hilfe. Selbst für Trump ist das schwer zu erklären.
Unsicherheit ist Gift für die Börse. Eine zusätzliche Quelle von Unsicherheit sind die unklaren Kriegsziele, die schließlich zu einem Chaos führen, das wiederum in einem Bürgerkrieg mündet und die Diskussion um den Einsatz von Bodentruppen wiederbelebt. Die Hoffnung auf ein schnelles Kriegsende rückt in weite Ferne.
Was wäre also ein realistisches Szenario, falls der Regimewechsel nicht gelingt und die Rache des Mullah-Regimes folgt?
Ein Regime im Endkampf ist unberechenbar, so groß der Druck von innen und außen auch sein mag. Die Rolle der gut ausgebildeten und schwer bewaffneten regimetreuen Kämpfer darf nicht unterschätzt werden, denn die berüchtigten Revolutionsgarden und regimetreuen Milizen sind noch nicht besiegt und stehen nach wie vor bereit. Proteste alleine werden das Regime kaum stürzen können. Das bedeutet aber, dass eine Fortsetzung der blutigen Tyrannei immer noch denkbar ist!
Das realistische Risiko eines Einsatzes von Bodentruppen, eines Bürgerkriegs und einer weiteren Eskalation statt eines schnellen Kriegsendes samt der befürchteten gravierenden Auswirkungen auf Energiepreise, Inflation, Zinsen, Konjunktur und Börsen kann also schon besorgt machen.
Als Folge eines solchen „Flächenbrandes“ wäre auch eine Destabilisierung europäischer Regierungen nicht auszuschließen. Europa könnte beispielsweise auch noch über iranische Angriffe auf Zypern oder das NATO-Mitglied Türkei unmittelbar in den Konflikt hineingezogen werden. Das alles belastet die Märkte zu Recht und liegt keinesfalls in unserer Hand. Um aber nicht nur Opfer und Getriebene*r der Umstände zu sein, hilft es enorm, vorauszudenken und im Anlassfall eine langfristige Strategie, losgelöst vom Tagesgeschehen, vorausgedacht zu haben.
Nur so kann man, wie gesagt, die Möglichkeit schaffen, den Kursen nicht nur nachzulaufen, sondern von der nächsten spekulativen Phase frühzeitig auch als Kleinanleger*in zu profitieren. Nur wer auf Krisensituationen vorbereitet ist, wird auch in der Lage sein, besonnen zu agieren, wenn es drauf ankommt.
8️⃣ und Mein Fazit:
Ich vergleiche Markteingriffe gerne mit dem Unterwasserdrücken eines Balls. Es ist schwierig und kräftezehrend. Niemand hält das lange durch. Und sobald der Druck weg ist, dann bahnt sich der Ball schnell seinen Weg nach oben.
Mein Basisszenario bei den Edelmetallen ist somit folgendes: Es mag durchaus noch die eine oder andere Short-Attacke auf die Edelmetallpreise geben, aber ich bin der Überzeugung, dass es noch im Jahr 2026 es eine kräftige Gegenbewegung der Preise geben wird . Ich bleibe daher investiert.
Neben der Chance auf eine rasche Erholungsrallye bei den Edelmetallen bringt jede Krise ihre Gewinner hervor. Der nächste Boom kommt also bestimmt, und ein Krieg wirkt nicht selten als Megatrend-Verstärker. Dieses Mal könnte es (trotz Trump) ein Comeback der erneuerbaren Energien sein. Der Krieg wirkt hier nach meiner Einschätzung (trotz Trump) nachhaltig trendverstärkend. Das hat meiner Einschätzung nach deshalb eine gute Wahrscheinlichkeit, weil es nicht mehr nur Umweltschutzthema, sondern auch ein Schlüsselthema in Hinblick auf Versorgungssicherheit ist.