KI kills Software - what else?

KI ist ohne Frage disruptiv. Allerdings wissen wir nicht, und können nicht wissen, wie KI unser aller Zukunft – und auch die Zukunft von Unternehmen – beeinflussen wird. Das erzeugt große Hoffnungen und große Verunsicherung. Die Geschwindigkeit, in der KI-Tools aus dem Boden sprießen mit immer beeindruckenderen Fähigkeiten reicht aus, um die Angst vor KI-Disruption an den Börsen ihre Opfer suchen zu lassen.

Doch sind diese Ängste berechtigt?

‍KI wird als Hoffnung gesehen, aber auch als Angriff auf bestimmte Geschäftsmodelle. Erstes systemisches Opfer sind Software-Unternehmen. ‍ ‍

Mittlerweile gibt es spezielle KI-Tools, die spezifisch auf Programmieren ausgelegt sind und beeindruckend schnell hervorragende Lösungen präsentieren, allen voran Claude vom US Startup Anthropic oder auch OpenClaw, das vom österreichischen „KI-Genie“ Peter Steinberger entwickelt wurde, der kürzlich von OpenAI abgeworben wurde.

‍Erstes Opfer der Erwartungen, wie KI unsere Zukunft beeinflussen wird, sind SaaS Software- Unternehmen, also solche, die Software as a Service anbieten, wie zB ServiceNow, Salesforce, Adobe oder auch Nemetschek und SAP in Europa. Bisher galten diese Geschäftsmodelle als krisenfest, da Kunden nicht so leicht die Software wechseln, wenn alle Daten einmal dort liegen. Wenn nun KI-Agenten wie Claude in der Lage sind, solche Software im Alleingang zu schreiben, ist die Frage, ob diese Geschäftsmodelle noch nachhaltig sind.

‍Allen diesen erwähnten Software-Unternehmen (und noch einigen weiteren) ist gemeinsam, dass sie von ihren Höchstständen in 2025 bis zum Schreiben dieses Beitrags (Anfang März 2026) um 40%-60% abgesackt sind. Zur Erinnerung: Damit sich ein um 60% reduzierter Kurs wieder erholt, muss er um 150% steigen. In der aktuellen Situation schwer vorstellbar. Die Argumentation dahinter: Künstliche Intelligenz könnte traditionelle Softwarelösungen teilweise obsolet machen und den Preisdruck erhöhen – gerade im hoch-margigen Lizenzgeschäft.

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Disruption – was / wer kommt als nächstes?

Die Angst vor einer strukturellen Disruption einiger anderer Bereiche und sogar ganzer Branchen greift um sich. Während Anleger bis Anfang des Jahres noch jedem KI-Trend gefolgt sind, hat sich das Blatt jetzt gewendet, und der „AI Scare Trade“ – die Angst vor der Ersetzbarkeit durch Algorithmen – ließ die Kurse von Software- und Dienstleistungsunternehmen fallen. Zum Beispiel reichte schon die im Februar getätigte Aussage von Anthropic, spezialisierte Tools zB zur Prüfung von Verträgen in Claude zu integrieren, damit Aktien von Unternehmen aus dem Beratungs- und Legal-Bereich (zB Accenture) abstürzten.

Die eine Frage, die sich stellt, ist, ob diese Ängste berechtigt sind. Die andere, was diese Ängste bewirken.

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Sind diese Ängste berechtigt

Eine der größten Sorgen, die mit KI einhergehen, ist, dass KI unsere Jobs übernehmen werden, diese obsolet werden, insbesondere von White-Collar Arbeitern. In Büchern wie zB The Coming Wave von Mustafa Suleyman, einem KI-Pionier und Mitbegründer von DeepMind, werden Szenarien gemalt, deren Succus es ist, dass KI die Arbeitsplätze von „Denk-Berufen“ zu einem guten Teil ersetzen wird, aber nicht annähernd in ähnlichem Ausmaß neue Jobs und Berufe kreieren wird, mit verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft.

Ein aktuelles Beispiel: Am 26.2.2026 hat Jack Dorsey, Mitgründer von Twitter und CEO von Block, angekündigt, 40% seiner Mitarbeiter abzubauen, da sie wegen der Verfügbarkeit von fortgeschrittenen KI-Tools nicht mehr gebraucht werden, und gemeint, viele Unternehmen sind zu spät dran, um zu erkennen, welchen Einfluss KI auf Unternehmen hat. Nach der Ankündigung stieg der Aktienkurs von Block um 25%.

Besonders dystopisch ist ein weithin beachteter Blog von Citrini Research (THE 2028 GLOBAL INTELLIGENCE CRISIS), der aus Sicht des Jahrs 2028 die vergangenen drei Jahre beschreibt und welch fundamentale Änderungen die KI für Arbeitsmarkt und Weltwirtschaft hatte, aus der Sicht der Zukunft verfasst. Citrini Research ist ein Analyse- und Investmenthaus, das frühzeitig große Markttrends identifiziert und daraus klare, umsetzbare Anlagestrategien entwickelt. Das beschriebene Szenario sieht Massen-Arbeitslosigkeit und eine tiefe Rezession vor, beginnend mit dem Jahr 2028. Das Kursgemetzel bei Softwarefirmen war in diesem Szenario erst der Anfang von vielen weiteren Marktverwerfungen von allen „White-Collar-Firmen“, die mit menschlicher Intelligenz Geld verdienen. Grundtenor von Citrini: Künstliche Intelligenz ist viel billiger und schneller als Menschliche Intelligenz und wird diese daher verdrängen.

Sind diese Ängste also berechtigt? Suleyman vergleicht die aktuellen technologischen Wellen (KI und Biotechnologie) mit historischen Technologie-Wellen und konstatiert, dass diese Ängste durchaus berechtigt sind. Die zentrale Frage dabei ist also, wie man diese eindämmen kann, da die Innovationen und Technologieentwicklung von KI viel schneller sind als frühere Wellen, gleichzeitig die Auswirkungen massiv größer sein können. Die Ängste sind jedenfalls ernst zu nehmen.

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Was diese Ängste bewirken

Keiner weiß, was genau die Zukunft bringen wird. Suleyman und Citrini sind sich jedoch sicher, dass die Auswirkungen massiv sein und jeden einzelnen Lebensbereich fundamental betreffen werden. Auch die Tatsache, dass ein globaler Wettlauf um KI-Vorherrschaft läuft und die USA das Ziel hat, eine KI zu erzeugen, die ein menschliches kognitives Leistungsniveau erreicht oder übertrifft (AGI – Artificial General Intelligence), aber gleichzeitig sich nicht zu überlegen, wie man eine solche kontrollieren oder eindämmen kann, erzeugt jedenfalls bei mir Sorgenfalten. Interessant ist zu erwähnen, dass China bei dem Rennen vorne mit dabei ist (im Gegensatz zu Europa), aber China KI als Hilfsmittel und Werkzeug ansieht, das komplementär zum Menschen eingesetzt wird und das unter Kontrolle gehalten werden muss. Ein Szenario von Massenarbeitslosigkeit in China kann das Zentralkomitee nicht gebrauchen, während die US Administration nicht in der Lage ist, soweit zu denken. Im Gegenteil, die aktuelle US Administration hat in den letzten 100 Tagen Weichen gestellt, die als massive Fehler bewertet werden müssen und die Vormachtstellung der USA nicht nur im Bereich KI torpedieren. Das klingt zuerst paradox, es gilt aber zu bedenken, dass der Bottleneck für KI die Energieversorgung ist und auch solche sein wird – billige Energie. Trump glaubt, fossile Energie ist billig, im Gegensatz zu erneuerbaren Energien. China beweist jetzt schon das Gegenteil.

Jedenfalls gilt: an der Börse wird die Zukunft gehandelt und Markterwartungen spielen eine fundamentale Rolle. Erwartungen, die von Blogs und Büchern wie oben angeführt genährt werden. Im letzten Blog-Beitrag wurde das Thema „Herdentrieb“ thematisiert. Es geht darum, was die Masse tut und wodurch sie sich – und damit letztlich den Markt - in eine bestimmte Richtung bewegt. Der Markt, das sind wir, die Investoren. Selbst Tageszeitungen haben den Citrini Research Blog aufgenommen, so wird Angst verbreitet, völlig unabhängig davon, ob diese Szenarien realistisch sind oder nicht.

Es geht also nicht so sehr darum, was wahrscheinlich passieren wird, sondern was DER MARKT GLAUBT WAS WAHRSCHEINLICH PASSIEREN WIRD. Darum ist es wichtig, zu wissen, wie weit verbreitet welche Meinungen sind. Das sollte man immer im Auge behalten.

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Ein Post skriptum

Vor wenigen Tagen wurde eine neue KI Anwendung von Anthropic gelaunched: Mythos. Das Besondere daran: Anthropic entschied, diese KI nur 40 ausgewählten Institutionen (11 wurden namentlich genannt, davon alle in den US beheimatet) zur Verfügung zu stellen, da die Anwendung „zu gefährlich“ sei, um sie flächendeckend zur Verfügung stellen zu können. Mythos soll in der Lage sein, auf ganz neuartigen Wegen Fehler und Sicherheitsrisken in der Software von Unternehmen, Zentralbanken, Kraftwerken und Regierungsinstitutionen zu finden. Es verdichten sich die Hinweise, dass hier tatsächlich etwas völlig Neues im Aufdecken von Cyber-Risken aufgetan wurde, mit potenziell verheerenden Konsequenzen für Regierungen, Zentralbanken und Unternehmen. Insbesondere die Tatsache, dass Anthropic eigenhändig bestimmt, wer die KI erhält und wer nicht, und dass es keine internationale Koordination gibt, sondern umgekehrt auch diese KI als Machtfaktor im Rennen um die KI-Vorherrschaft verwendet wird, bereite mir große Sorgen. Aktuell sind die Auswirkungen auf den Sektor Cyber Security unbekannt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige auf Cyber Risk spezialisierte Unternehmen - ähnlich wie Software Unternehmen (siehe oben) - an den Börsen in Schwierigkeiten kommen werden.   

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Der Irankrieg