Unsicherheit & typische Verhaltensmuster - Vier Rezepte zur Selbstoptimierung

Beim Versuch, die aktuelle Unsicherheit zu beschreiben, fällt mir eine Aussage von „Börsenaltmeister“ André Kostolani ein: „An der Börse kann alles passieren – auch das Gegenteil.” Man könnte es auch so formulieren: „Wenn sich alle einig sind, dann gibt es eine gute Chance, dass es schließlich genau anders kommen wird.” 

 Dieser Blog stellt vier Rezepte zur Bewältigung von Unsicherheiten und Ängsten zur Diskussion:

1️⃣ Die grassierende Angst vor der KI

2️⃣ Am Anfang steht die Selbstermächtigung

3️⃣ Den Herdentrieb verstehen

4️⃣ Portfoliomanagement zur Steuerung von Chancen und Risiken

 1️⃣ Die grassierende Angst vor der KI

Die Frage, die diese Angst zum Ausdruck bringt, lautet: Steht uns bald der nächste Tech-Schock bevor oder schüren Anlystenhäuser (alla Citrini) nur Panik um sich ins Gespräch zu bringen?

Ja, Unternehmen investieren im KI-Hype unvorstellbare Summen in Rechenzentren und Chips. Bei oft dreistelligen Milliardenbeträgen an Investitionen in Verbindung mit den meist hohen Beäwertungen grassiert am Markt die Angst, ob aus den großen Versprechen jemals auch angemessene Umsätze und Ertäge werden? Diese schwierige Frage ist, wenn überhaupt, nur im konkreten Einzelfall beantwortbar.

Ja, auch die Arbeitswelt gibt Grund zur Sorge und wird möglicherweise in Zukunft brutale Veränderung erfahren. Eine Disruption am Arbeitsmarkt könnte tiefe Spuren in Staatshaushalten, im Konsumverhalten und in den Konjunkturdaten hinterlassen. Demgegenüber steht die verzweifelte Hoffnung, dass gleichzeitig (nach möglicherweise einem Tal der Tränen, wie auch im Rahmen der industriellen Revolution) neue andere Arbeitsplätze entstehen und der Wohlstand insgesamt erhalten bleibt, oder am Ende sogar steigt. KI wird unseren Alltag verändern, und ich denke auch der KI-Boom wird unaufhaltsam weitergehen.  

Ja, die KI wird kommen, auch wenn noch niemand genau weiß, was das wirklich am Ende für unseren Alltag und die Börsen bedeuten wird. Man muss sich jedenfalls der Tatsache bewusst sein, dass es selbst im größten Boom nicht nur Gewinner gibt. Auch KI wird da keine Ausnahme sein. Es ist hart, aber auch in diesem Fall werden nicht alle überleben. Selbst Schwergewichte können dabei unter Druck geraten. Aber der KI-Boom  bietet gleichzeitig auch unglaubliche  Chancen.

Anmerkung : Vor genau einem Jahr schrieb ich über die Anatomie von Hypes. Hier ist der Link zum Feber-Blog 2025 > https://www.finconaut.com/blog-1/die-anatomie-von-hypes< Der Beitrag ist gerade auch in diesem Zusammenhang höchst relevant und die Lektüre sehr empfehlenswert.

 In Boomphasen ist alles möglich. Auch das Verschwinden von Pionieren wie ChatGPT. McKinsey prognostizierte jüngst enorme Produktivitätszuwächse durch KI. Gleichzeitig erleben wir jedoch gerade einen historischen Ausverkauf bei Softwareunternehmen, weil die Befürchtung besteht, dass KI deren Geschäftsmodelle disruptieren könnte. Wozu brauchen wir überhaupt noch Software-Dienstleister, wenn die KI doch alles besser - also effizienter und billiger - erledigen kann?

Es gilt in solchen Situationen dasselbe, was immer gilt: 

Höre auf deinen Hausverstand und

kontrolliere deine  Emotionen und

sei dir der Dynamik des Herdentriebes bewusst (mehr dazu unten unter 3️⃣), aber lasse dich von der Herde nicht blind mitreißen.

Nutze den Herdentrieb für dich und sei den anderen dadurch eine Nasenlänge voraus.

Besser etwas Zeit und Abstand nehmen als überstürzte und schlechte Entscheidungen zu treffen. Angst und Gier sind schlechte Berater.

 

2️⃣ Am Anfang steht die Selbstermächtigung

Da ist immer die in uns schlummernde Angst, die Komfortzone zu verlassen und neues Terrain zu betreten. Diese Angst ist wie eine Barriere, die uns davon abhält, das Notwendige nicht nur zu erkennen, sondern auch zu tun. Gerade dann nämlich, wenn der nächste Schritt längst fällig wäre und man die Chance hätte, etwas zu ändern, genau dann neigen wir dazu einen Rückzieher zu machen … und dann kommt wieder die typische Ausrede, die uns daran hindert, zu handeln:

„Es ist jetzt einfach nicht der richtige Zeitpunkt, weil die Kurse zu hoch und/oder die Zeiten zu unsicher sind.

Aber wenn, dass vorbei ist, dann!“

Die Wahrheit kennst du vermutlich selbst aus eigener Erfahrung: Du wirst es auch dann nicht tun, weil du nicht bereit dazu bist, dich auf die Ungewissheit einzulassen und längst fällige Wege zu gehen. Die Tür kann noch so weit offen stehen, es fehlt stets der Wille und der Mut, durchzugehen! Leider muss oft erst der Leidensdruck durch externe Ereignisse hoch genug sein, um den Weg frei zu machen.

Hast du dich wiedererkannt?

Also, worüber denkst DU die ganze Zeit nach und welche Ausreden hast DU?

So weit, so verständlich und nachvollziehbar. Das ist einfach menschlich. Wir wollen jedoch dieses Verhaltensmuster endlich überwinden. 

Veränderungen sind auch proaktiv möglich, wenn man sich nicht selbst im Weg steht! Veränderung braucht immer Selbsterkenntnis und Mut, aber nicht notwendigerweise Leidensdruck. Versuche dieses Mal diszipliniert dran zu bleiben und setze dir konkrete Ziele. Gehe stetig kleine Schritte mit Konsequenz oder suche dir Unterstützung. Hier bist Du schon mal goldrichtig und Denke daran: Gewinnen beginnt mit Beginnen!

 

3️⃣ Den Herdentrieb verstehen 

Um den Herdentrieb für Dich nutzen zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie Kollektive wie Fisch- und Vogelschwärme funktionieren. Kurz zusammengefasst liefern Experimente der Humboldt-Universität und des Max-Planck-Instituts dazu folgende interessante Erkenntnisse:

  • Je größer die Gruppe, desto eher lässt sich das einzelne Individuum beeinflussen. Das Verhalten der Gruppe ist als Reiz sehr dominant und gegen die Gruppe zu agieren ist sehr schwierig.

  • Das Schwarmverhalten bzw. der Herdentrieb ist auch beim Menschen stark ausgeprägt. Theoretisch können wir natürlich auch individuell handeln, es ist aber schwierig und erzeugt einen Konflikt. Deshalb besteht auch beim Menschen die Tendenz, der Gruppe zu folgen. 

  • Schwarmforscher*innen dachten lange, dass jedes einzelne Individuum zur Lösung des Problems beiträgt, doch die neuesten Forschungen zeigen, dass das einzelne Individuum das Problem oft gar nicht kennt. Es gibt keinen Anführer, das Individuum kopiert das Verhalten der Gruppe und folgt einfachen Regeln. Das System organisiert sich quasi selbst und die Wirkung der unsichtbaren „Federkraft beeinflusst das Geschehen. Dieser Federeffekt lässt sich vereinfacht so beschreiben: Jedes Individuum beeinflusst das Verhalten seines direkten Nachbarn. Es geht tatsächlich eine Welle durch die Gruppe, indem ein Individuum jeweils das Verhalten des direkten Nachbarn beeinflusst. In der Folge  beeinflussen die Reaktion weniger unbewusst das Verhalten der ganzen Gruppe. Dieses Verhaltensmuster hat Vorteile für das Überleben der Gruppe. Das Kollektiv ist dadurch mehr als nur die Summe seiner Einzelteile. Das gilt nur nicht immer.

  • Untersuchungen von Gewaltforscher*innen bezüglich der Ablehnung von Schutzmaßnahmen gegen Corona durch rechte Gruppierungen machen ein Problem deutlich. Nämlich, was in einer Gruppe passieren kann, wenn Routinen und Bezugsgrößen zusammenbrechen, auf die man sich normalerweise verlassen kann. Der Kontrollverlust erzeugt Angst und Panik und führt zu unterschiedlichen Interpretationen. Das geht dann zu Lasten der Entscheidungsqualität des Kollektivs.

  • Personen, die KEINE starke Meinung haben, sind für die Entstehung des Herdentriebs somit wichtig.

  • Freier Informationsaustausch führt in der Gruppe grundsätzlich (aber leider nicht immer!) zu besseren Entscheidungen. 

 

Mit diesem Wissen ausgestattet lautet für uns die entsprechende entscheidende Frage: Gelten die aufgezählten Schlussfolgerungen auch für Anleger*innen? 

Die Antwort ist leider weder einfach noch eindeutig. Man kann sich den Herdentrieb bestimmt bewusst zu Nutze machen. Es gibt jedoch auch Situationen, wo es erfolgskritisch ist, aus der Herde auszubrechen. Wie schaffen wir es, Trends zu erkennen und zu wissen, wann es notwendig ist, aus der Herde auszubrechen? Das erfordert Selbstreflexion und Erfahrungen, die nicht jede*r Privatanleger*in notwendigerweise selbst machen muss. Das hat mich schließlich am Ende einer langen Karriere in der Finanzbranche zur zur Gründung von finconaut motiviert.

 

4️⃣Portfoliomanagement zur Steuerung von Chancen und Risiken

Das Ziel des Portfoliomanagements ist es ein gut diversifiziertes Basisportfolio zusammenzustellen, das das Anlageziel langfristig trägt und in das man unbeeinflusst von der aktuellen Situation dauerhaft investiert bleibt.

Die Optimierung und Feinsteuerung erfolgt im Rahmen von regelmäßigen (mindestens einmal jährlichen) Portfolioreviews. Das ermöglicht mittels kurz- und mittelfristigen Portfoliobeimischungen, abhängig vom eigenen Risikoappetit und den Markteinschätzungen, individuelle und aktuelle Akzente zu setzen, um spezifische Chancen zu nutzen oder auch durch Diversifikation das Risiko zu steuern. Diese werden im besten Fall bedarfsabhängig und unter optimaler Nutzung des Verlusttopfes zur Steueroptimierung ganz oder teilweise aus (Teil-)Verkäufen im Rahmen der Portfolioumschichtungen finanziert.

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Ausblick 2026