Die aktuelle Berichtssaison

Ich nehme die angelaufene Berichtssaison zum Anlass, um eine kurze  Blogserie anzukündigen.

Das ist heute nur der erste von drei logisch miteinander verknüpften Teilen, die die Interpretation der laufenden Berichtssaison erleichtern sollen:

  1. Teil: Ein Blick auf die angelaufene Berichtssaison

  2. Teil: Die Zukunft des KI-Booms nach meiner Einschätzung

  3. Teil: Sammlung und Erklärung von nützlichem Finanzwissen, wie beispielsweise die Phasen eines Hypes oder die 3 Ebenen der KI-Wertschöpfung zum leichteren Verständnis

Zunächst ein Blick auf die angelaufene Berichtssaison

Die Berichtssaison ist wieder im vollen Gang. Sie wird ein kritischer Faktor sein, wie der Sommer stimmungsmäßig verlaufen wird und wie es mit dem KI-Boom in 2026 generell weitergeht.

Was ist der Grund für die Marktskepsis trotz guter Ergebnisse?

Bei der Suche nach einer Erklärung bin ich auf folgende Argumente gestoßen:

 ♻️Die Banken

Den Anfang setzen wieder die Banken. Sie gelten ja wegen ihrer Nähe zum Business als wichtiger Indikator. Die alte Faustregel „Wie die Banken, so ist die Berichtssaison” scheint diesmal nicht zu greifen, denn trotz guter Nachrichten von den Banken und einigen Chipherstellern wie beispielsweise ASML und TMC blieb die Stimmung zurückhaltend. Wir versuchen nun herauszufinden, was der Grund für die aktuelle Marktskepsis sein könnte und wie die weitere Tendenz sein könnte.

Zunächst muss man sagen, dass es keine Überraschung ist, dass die großen amerikanischen Investmentbanken von der gigantischen IPO-Welle profitieren.

Aber auch das klassische Kreditgeschäft brummt.

 ♻️Chinaangst

Gestern staunten die Marktteilnehmer noch über das gößte IPO Asiens, den CXMT-Börsengang in Shanghai. Die Bewertung betrug über 3,3 Billionen Yuan (das entspricht umgerechnet rund eine halbe Milliarden Euro). Damit war der Börsennneuling CXMT aus dem Stand das wertvollsten Unternehmen Chinas. Mittlerweile ist die Begeisterung jedoch purer Angst vor der Konkurrenz aus China gewichen. CXMT legte ein unglaubliches Wachstum hin, sie haben bereits 8% Marktanteil und man traut ihnen sogar zu, bis 2030, Micron zu überholen.

Verstärkt wurde die Angst durch eine Meldung betreffend ASML, bekannterweise der Spezialist für winzige Schaltkreise im niedrigen Nano-Bereich. Das war aufgrund der Komplexität ein geschütztes Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens, bis gestern die Meldung über die Ticker rauschte, dass es einem chinesischen Unternehmen angeblich gelungen sei, genau auf diesem Gebiet enorme Fortschritte zu machen. Das würde natürlich die Marktstellung von ASML negativ beeinflussen. Daraufhin wurde die Aktie gleich abgestraft.

♻️NVIDIAs “Kreiselgarantie” an OpenAI

NVIDIA plant, an seinen Kunden OpenAI eine Garantie in Höhe von 250 Milliarden USD für den Bau des größten Rechenzentrums in den USA und zusätzlich 350 Milliarden USD für den Kauf von NVIDIA-Chips zu gewähren. In Summe handelt es sich somit um einen Garantiebetrag von 600 Milliarden!

Ich hoffe, diese wichtige geschäftspolitische Entscheidung wurde von Jensen Huang, dem erfahrenen CEO von NVIDIA, verantwortungsvoll getroffen und hoffentlich nicht opportunistisch, um die Nachfrage nach NVIDIA-Chips zu steuern und die hohen Margen zu schützen! NVIDIA ist keine Bank, und die Liquiditätssteuerung der Kunden ist nicht Aufgabe eines Chipproduzenten.

♻️SpaceX

Der Kursverlust summiert sich mittlerweile auf ca. 50 % vom Höchststand (somit eine Halbierung von 200 auf 100). Bisher verdienten also neben den Investmentbanken nur die Altaktionäre an der IPO (allen voran Elon Musk). Ein Verlust von rund 50 % vom Höchststand zeigt trotz Regeländerungen leider ein deutliches Bild. Anfang August kommt mit dem Ende der Behaltefrist der Altaktionäre dann möglicherweise zusätzlicher Verkaufsdruck?

Minus 50 % entspricht einem Rückgang von unfassbaren 1,2 Billionen an Börsenkapitalisierung in nur wenigen Wochen … und es is gibt Grund zur Befürchtung, dass es im August noch schlimmer kommen könnte!

Am 4.8. endetnicht nur die Sperrfrist für die SpaceX-Altaktionäre, sondern kurz darauf folgt die Stunde der Wahrheit, was die Ergebnisberichterstattung betrifft. Man darf also sehr gespannt sein, wie es mit den SpaceX-Kursen weitergeht …

♻️Apple hat NVIDIA wieder überholt

Was auffällt, wenn wir die 3 Wertschöpfungsebenen betrachten (ich werde auf diese 3 Ebenen in Teil 3 der Blog-Serie nochmal Bezug nehmen), so scheinen die Kursbewegungen der Hyperscaler, die zu einem überwiegenden Teil die Investitionen in die Infrastruktur schultern, und die der Empfänger, in ihren Kursbewegungen, wie kommunizierende Gefäße zu reagieren. Interessanterweise, wenn die einen gewinnen, verlieren die anderen und umgekehrt.

EXKURS: Ein paar notwendige Erklärungen zum Verständnis der drei Wertschöpfungsebenen:

(1) Bereitstellung von Modellen > Kosten- und Energieeffizienz sowie Sicherheitsfragen rücken nach dem Streben nach dem leistungsfähigsten und schnellsten KI-Modell mehr und mehr in den Fokus. Es geht also zukünftig bei der Bestimmung des besten KI-Modells vermutlich um Leistungsfähigkeit vs. Kosten und wirtschaftliche Effizienz. Dieses Rennen ist noch offenn….e

(2) Bereitstellung von KI-Infrastruktur > Datencenter mit Wasserversorgung und Energieversorgung bilden die zweite Wertschöpfungskette

(3) Bereitstellung des Zugangs der Verbraucher zur KI (beispielsweise über Handy, Tablet, PC…)

Diese Differenzierung macht Sinnn, weil Apple hier einen eigenen Weg geht und deshalb in der Vergangenheit auch oft kritisiert wurde. Apple konzentriert sich weniger auf die Finanzierung der KI-Infrastrukturinvestitionen (Ebene zwei), sondern auf die rentablere Bereitstellung der Hardware für den Zugang:(Restrictive Ebene drei). Dass Apple sich nicht blind an der Schaffung von offenbar befürchteten Überkapazitäten beteiligt und dabei Geld verbrennt, scheint der Markt zu honorieren. Immerhin hat sich Apple in der aktuell sehr unsicheren und volatilen Phase den Rang des wertvollsten Unternehmens von NVIDIA zurückerobert. Weiteren Aufschluss über die Richtigkeit dieser These wird, hoffe ich, die Erlebnisberichterstattung von Apple geben.

Kann man daraus für die nähere Zukunft tendenziell ableiten, dass die Kursentwicklung der KI-Hauptinfrastrukturinvestoren (hauptsächlich wird die Last a den Magnificent 7 getragen) und die, der Bereitsteller von KI-Infrastruktur (hauptsächlich Chiphersteller) kommunizierende Gefäße sind?

In dieser Hinsicht wird die Quartalsberichterstattung der Magnificent 7 als Hauptinvestoren in die KI-Infrastruktur für die weitere Tendenz, nach meiner Einschätzung, besonders aufschlussreich sein! Die Veröffentlichung der aktuellen Zahlen samt Ausblick sowie die Reaktion der Märkte werden zusätzlich etwas mehr Licht ins Dunkel bringen. 

♻️Ist IBM ein Opfer des KI-Booms?

Das Unternehmen galt kurz als Gewinner des KI-Booms und wurde nahezu gehypt. Dann schockte IBM die Anleger mit einer Gewinnwarnung im 2. Quartal und wurde dafür umgehend hart abgestraft: Am 14.7.2026 wurde IBM wieder fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel. Dieser Tag bescherte IBM mit nahezu -25 % den schwärzesten Tag in der 115-jährigen Firmengeschichte! 

Das sollte uns eine Warnung sein und deutlich machen, wie schnell die euphorische Stimmung umschlagen kann!

Begründet wurde die Gewinnwarnung von IBM übrigens damit, dass die Kunden dazu tendieren, Hardware-Investitionen vorzuziehen und Software-Investitionen zurückzustellen. Das wäre ein bestätigendes Indiz für die zuvor erwähnte These der “kommunizierenden Gefäße.“ Sollte sich diese Tendenz bestätigen, dann wär das möglicherweise als Unterstützung für Ausrüster und Chiphersteller und eine Belastung für Softwareproduzenten und Hyperscaler zu werten.

Vielleicht ruinierte sogar der KI-Boom selbst (bzw. die „Memflation“ ) die Quartalsergebnisse? Memflation bezeichnet die durch den globalen KI-Boom ausgelöste, drastische Verteuerung von Speicherchips und ist eine neue Wortkreation, die sich aus „ Memory“ und „ Inflation“zusammensetzt. Das könnte ein wichtiges Signal sein. 

♻️Alphabet im Minus trotz übertroffener Erwartungen?

Umsatz im Cloudgeschäft +83%. Die Gewinnentwicklung von Quartal zu Quartal  brachte einen Anstieg von + 35% . Jedoch ist das immer noch zu wenig, wenn man die gigantischen KI-Ausgaben betrachtet (siehe oben Memflation). Deshalb verzeichnete Alphabet 2026 erstmals seit Börsengang einen negativen Cashflow. Statt den sonst gewohnten Aktienrückkäufen gab es eine Kapitalerhöhung um 85 Milliarden USD (zur Refinanzierung der gigantischen Infrastruktur-Investitionen). Sie sollen 2026 sogar auf 200 Milliarden USD steigen. Im nächsten Jahr sollen sie sogar geschätzte 290-300 Milliarden USD betragen! Wie gesagt: Wenn man viel ausgibt, heißt das noch lange nicht, dass man auch viel verdient. Daher kommt wohl die Skepsis gegenüber den Hyperscaler als Hauptgeldgeber im KI-Infrastrukturausbau, da die Nachhaltigkeit der Monetarisierung erst bewiesen und geglaubt werden muss.

♻️Die Zinsentscheidung in den USA

Was hat sich eigentlich nach dem Führungswechsel an der FED-Spitze bereits geändert?

Die Kommunikation hat sich seit dem Wechsel an der Spitze der FED bereits maßgeblich geändert das zeigt die Unklarheit über die FED-Entscheidung nur wenige Stunden davor sehr deutlich.

Wärend Powel ein Verfechter von Transparenz und überrachungsfreier Notenbankpolitik war, hält sich Kevin Warsh bedeckt und bleibt viele Antworten schuldig.

Wir werden wohl nach anderen Indikatoren suchen müssen. Die längeren Zinsen werden vom Markt bestimmt. In der Vergangenheit gab es eine hohe Korrelation zwischen der 2-jährigen Marktrendite und den Notenbankentscheidungen (mi leichtem Vorlauf, also leichte zeitversetzt) zu beobachten.  In den letzten Wochen liegen die 2-jährigen Zinsen über den Notenbankzinssätzen.

Ca. 1/3 der Analysten gehen heute von einer Zinsanhebung aus. Eine Zinserhöhung könnte die Bösen vielleicht sogar beruhigen und die Abhängigkeit der FED demonstrieren. Ich persönlich glaube ehrlich gesagt nicht, das der Trump-Nominee Warsh ausgerechnet in der ersten von ihm geleiteten FED-Sitzung die Zinsen anhebt. Aber der Speaker entscheidet nicht alleine! Am Donnerstag werden wir es  dann genau wissen …! Im Jhresverlauf steigt die Wahrscheinlichkeit jedoch zunehmend.

♻️Haben wir eigentlich schon einen Crash?

Wenn man die Entfernung von den Höchstkursen anschaut dann lassen  die weit mehr als -20 % Kursrückgang über weite Strecken so einen Schluss zweifellos zu. Schaut man aber genauer hin, so sind ytd betrachtet die meisten Werte immer noch im Plus. Aber woher soll die Liquidität für eine schnelle und breite Erholung kommen?

Diese Woche heißt es, die Emotionen im Griff zu behalten, dh aufmerksam beobachten und hektischen Aktionismus vermeiden…

Meine bisherigen Schlussfolgerungen:

Wenn ich mich in einer strategischen Betrachtung nüchtern auf die bisher vorgestellten Unternehmensergebnisss und den Saldo der Kursentwicklung des aktuellen Jahres konzentriere und mit der nötigen Distanz betrachte, und die trumpschen Eskapaden mal ausblende, so deuten nichts auf ein besonderes Crashrisiko hin. Alles weist bisher eher auf eine ungewöhnlich hohe Volatilität, aber sonst ein normales gutes Aktienjahr hin.

Die Zeiten sind beispiellos, volatil und schwierig. Deshalb nehme ich mir die Zeit, einen Schritt zurück zu machen, um mit größerer Distanz darüber nachzudenken. Es gibt mit Sicherheit viele Gründe, die die sensible Stimmung kippen lassen könnten. Ich bin noch optimistisch und glaube, die Party ist noch nicht vorbei; sie sich jedoch verlagert und neue Favoriten hervorbringen wird.

Wirklich Sorge bereitet mir Sam Altman und Open AI. OpenAI hat kein Geld und schreibt nur Verluste und will trotzdem bis 2030 weitere 750 Mrd. USD in KI-Infrastruktur investieren. Damit hat ausgerechnet OpenAI das Potenzial uns alle in die nächst Keise zu stürzen. Wir wissen, dass die Liquidität dafür überwiegend mit Hilfe der “Kreisel-Garantien” von NVIDIA aufgebracht werden soll. Das mag eine gute Nachricht für die Bereitsteller der Infrastruktur sein, nicht aber für Investoren in OpenAI. Zudem hat sich die Stimmung seit der Mega-IPO von SpaceX nicht gerade verbessert. Musk wird sein Narrativ wohl weiterspinnen müssen, denn die Entwicklung der SpaceX-Aktie verliert zunehmend an Dynamik. Sofern man das bei einem Kursrückgang von 50 % überhaupt noch so formulieren (Kurs-Tendenz fallend). Immerhin wurden damit bisher schon 1,2 Billion Marktkapitalisierung vernichtet! Man kann nur hoffen, dass SpaceX auch wieder in der Realität unserer Erde angekommen ist.

Dann ist da noch die wachsende Konkurrenz aus China. Die Auswirkungen auf den KI-Boom ist noch schwer abzuschätzen.

Die folgenden kritische Fragen sind eher taktischer Natur:

  • Die ersten Hyperscaler Alphabet und Tesla konnten die Erwartungen übertreffen. Trotzdem bleiben die Anleger skeptisch und zurückhaltend.

  • Meine Erwartung aus dem Gesagten ist, dass es nur logisch wäre, wenn die aktuelle Entwicklung die Kurse der großen Hyperscaler (Magnificent 7) tendenziell belasten würde, während die Empfänger der Investitionsmilliarden wie beispielsweise Chiphersteller (wie Nvidia, AMD, ASML und Infinion) von der daraus resultierenden Nachfrage weiter profitieren sollten. Das wäre vermutlich einfach, wäre da nicht die Konkurrenz aus China.

    Erfolgskritisch wird sein, die tägliche Nachrichtenflut zielorientiert zu filtern, und sich auf die richtigen Themen zu konzentrieren. Das schafft die Möglichkeit sich rechtzeitig strategisch zu positionieren.

    Dazu gehört beispielsweise:

  • Wie geht es bei der Steigerungsdynamik bei den KI-Infrastrukturinvestitionen 2027/28 weiter?

  • Schaffen die Modellanbieter trotz wachsender (chinesischer) Konkurrenz die Monetarisierung?

  • Wie ist der Newsflow zu SpaceX?

  • Schafft OpenAI den Börsengang?

  • Wie positioniert sich Europa?

  • Wie geht es in der Souveränitätsfrage und Sicherheitsfrage weiter?

  • Wie fallen die Ergebnisberichte von Samsung und SK Hynix aus?

  • Kann aus all den Ergebnisnisberichten der Unternehmen eine allgemeine Tendenz abgeleitet werden?

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